Upgraden oder nicht upgraden – das ist die Frage

Jedes Industrieunternehmen steht irgendwann an einem Wendepunkt. Soll man bestehende elektrische Anlagen weiter nutzen, sie durch neue Systeme ersetzen oder sich für refurbished Alternativen entscheiden? Die Entscheidung erfordert eine sorgfältige Balance zwischen technischem Anspruch und finanzieller Disziplin. Zwei Führungskräfte aus der Automatisierungsbranche geben Einblicke, wie diese Balance in der Praxis aussieht: Mauro Magarelli, Plant Manager bei Yanfeng Italy, und Mario Napoli, Procurement Leader bei O I Italy.
Die technische Perspektive
Für technische Teams stehen Leistung und Wettbewerbsfähigkeit im Mittelpunkt. Mauro Magarelli macht seine Prioritäten deutlich: „Ich würde immer die bestverfügbare Technologie bevorzugen. Der Markt verlangt nach fortschrittlicher Technologie, um Effizienz und Qualität zu sichern, und wenn man diese nicht hat, fällt man zurück. Der wichtigste Faktor ist die Wettbewerbsfähigkeit.“ Aus technischer Sicht erscheint ein Upgrade auf die neuesten Systeme daher oft als logische Entscheidung.
Die finanzielle Perspektive
Aus Sicht des Einkaufs ist der Ansatz analytischer. Mario Napoli erklärt, dass Entscheidungen auf einer strukturierten Bewertung basieren. „Unser Entscheidungsprozess darüber, ob bestehende Anlagen beibehalten, in neue Systeme investiert oder refurbished Alternativen beschafft werden, basiert auf einer strukturierten Bewertung der Total Cost of Ownership, der Optimierung des Asset-Lebenszyklus und von Nachhaltigkeits-KPIs.“
Für Napoli ist die Total Cost of Ownership entscheidend. Risiken durch Stillstand, Integrationskosten, Lebenszyklusoptimierung und die langfristigen finanziellen Auswirkungen werden berücksichtigt, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Wie er betont, sind Entscheidungen stets datenbasiert.
Die Rolle der Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit ist zu einem strategischen Faktor in diesen Entscheidungen geworden. Energieeffiziente Anlagen können Emissionen reduzieren und zur Erreichung von Klimazielen beitragen. Napoli bestätigt: „Nachhaltigkeitsziele sind zu einem strategischen Treiber in unserem Beschaffungsprozess geworden. In den meisten Fällen wenden wir interne CO2-Bepreisung oder Nachhaltigkeitsbewertungen an, um die Umweltkosten von Beschaffungsentscheidungen zu quantifizieren.“
Refurbishment spielt hierbei eine wichtige Rolle. Es verlängert die Lebensdauer von Produkten, reduziert Elektroschrott, schont Ressourcen und senkt den CO2-Fußabdruck. Regulatorische Rahmenbedingungen und ESG-Anforderungen beschleunigen diesen Wandel hin zu zirkulären Lösungen.


Eine wachsende Akzeptanz von Refurbishment
Wirtschaftliche Unsicherheiten und Störungen in den Lieferketten haben häufige Ersatzinvestitionen weniger realistisch gemacht. Infolgedessen gewinnt Refurbishment an Bedeutung. Magarelli erkennt seinen Wert an: „Wenn es von zuverlässigen Partnern bezogen wird, bietet es eine kosteneffiziente Möglichkeit, wettbewerbsfähig zu bleiben, ohne Kompromisse bei der Leistung einzugehen.“
Napoli vertritt aus finanzieller Sicht eine ähnliche Position: „Als erste Strategie priorisieren wir immer die Reparatur von Ersatzteilen, da dies der kosteneffizienteste Ansatz ist. Wenn ein Austausch jedoch unvermeidbar ist, ist Refurbishment eine hervorragende Option. Es ist im Grunde dasselbe wie neue Anlagen, aber zu geringeren Kosten – warum also nicht?“ Professionelles Refurbishment umfasst standardisierte Prozesse, den Austausch von Komponenten, umfassende Tests und Qualitätssicherung. Es liefert Leistungen, die mit neuen Anlagen vergleichbar sind, oft zu deutlich geringeren Kosten.
Gemeinsame Lösungen finden
Während technische Teams eher zu neuen Technologien tendieren und Finanzteams stärker auf Kostenkontrolle achten, verfolgen beide letztlich dasselbe Ziel: langfristige Leistungsfähigkeit und Stabilität. Napoli bringt diese Balance auf den Punkt: „Wir treffen Entscheidungen sowohl auf Basis des technischen Werts als auch der geschäftlichen Auswirkungen.“
Magarelli ergänzt, dass die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen reibungslos funktioniert, wenn Entscheidungen auf messbaren Ergebnissen und strukturierten Bewertungen basieren. In der heutigen Industrielandschaft geht es nicht mehr nur darum, ob ein Upgrade sinnvoll ist. Entscheidend ist, die beste Entscheidung auf Basis von Wettbewerbsfähigkeit, Total Cost of Ownership, Nachhaltigkeit und Risiko zu treffen. Da professionelles Refurbishment heute Qualität, Kosteneffizienz und ökologische Vorteile vereint, war es noch nie einfacher, einen gemeinsamen Nenner zu finden.


