Die wachsende Bedrohung durch gefälschte Industrieelektronik

Gefälschte Industrieelektronik wird zu einem zunehmend ernsthaften Problem. Besonders hochwertige und veraltete Komponenten sind häufige Ziele, wobei gefälschte Produkte als Originalteile auf den Markt gelangen. Was zunächst wie eine kostensparende Lösung erscheint, kann schnell zu Schäden an Anlagen, Ausfallzeiten, Sicherheitsrisiken und rechtlichen Konsequenzen führen. Laut Stephan Bosma, Database-Management-Experte bei JC Electronics, wächst das Problem rasant. Gefälschte Teile werden als neu verkauft, refurbished Komponenten werden neu etikettiert und Seriennummern werden manipuliert, um neuere Modelle zu imitieren. In kritischen Umgebungen wie Produktionslinien und Automatisierungssystemen sind diese Risiken inakzeptabel.
Warnsignale erkennen
Auf den ersten Blick können gefälschte Komponenten überzeugend wirken. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich jedoch oft Unstimmigkeiten. „Unterschiede bei Schriftarten, ungewöhnlich glänzende Versiegelungen bei angeblich älteren Produkten oder kleine Fehler wie falsche EAN-Codes sind klare Warnsignale“, erklärt Bosma.
Weitere Hinweise sind Abweichungen bei Farbe, Gewicht, internen Komponenten, unsaubere Lötstellen oder fehlende Herstellerkennzeichnungen. Selbst kleinste Unterschiede können auf ein gefälschtes Produkt hinweisen.
Die tatsächlichen Risiken gefälschter Komponenten
Die Gefahren gehen weit über das äußere Erscheinungsbild hinaus. Gefälschte Antriebe und Prozessoren enthalten häufig minderwertige oder nicht passende Komponenten. „Bei einigen Antrieben wurden Komponenten gefunden, die nicht für die erforderliche Leistung ausgelegt sind und dadurch Schäden an Motoren oder Systemen verursachen können“, sagt Bosma. Solche Ausfälle können ganze Produktionslinien stilllegen, erhebliche finanzielle Verluste verursachen und insbesondere in Hochspannungsumgebungen ernsthafte Sicherheitsrisiken darstellen.




Warum das Problem wächst
Obsoleszenz ist ein wesentlicher Treiber. Wenn OEMs ältere Modelle einstellen, werden originale Ersatzteile knapp und teuer. Dadurch entstehen Chancen für Fälscher, die gebrauchte Teile reinigen, neu versiegeln und als neue Produkte verkaufen. Gleichzeitig erleichtert die hohe Nachfrage nach neuen Komponenten betrügerischen Anbietern, gebrauchte oder gefälschte Teile als neu zu vermarkten.
So schützen Sie sich
Zu den am häufigsten gefälschten Produkten gehören SPS-Systeme (PLCs), HMI-Panels und Frequenzumrichter bekannter Marken. Aufgrund der hohen Stückpreise ist der Anreiz für Betrug erheblich. Bosmas Empfehlung ist eindeutig: Kaufen Sie ausschließlich bei vertrauenswürdigen Lieferanten und offiziellen Distributoren mit strengen Qualitätskontrollen. „Da Fälscher immer raffinierter werden, müssen Unternehmen mit ebenso professionellen Beschaffungs- und Qualitätsprozessen reagieren“, so sein Fazit. In einer Branche, in der Zuverlässigkeit und Sicherheit entscheidend sind, ist Wachsamkeit unerlässlich. Die Vermeidung gefälschter Komponenten in Ihrer Lieferkette dient nicht nur der Kostenkontrolle, sondern dem Schutz Ihrer Betriebsabläufe, Ihrer Mitarbeiter und Ihrer Reputation.

